Presse

Märkische Allgemeine Zeitung, 5. September 2016

Musikalisch in das wilde Neapel eingetaucht
Bücknitzer Konzertreihe: Rachelina nd die Maccheronies entführt das Publikum in die Straßen der süditalienischen Metropole

Mit viel Gefühl, Charme und Witz haben sich die Bückitzer Sommerkonzerte aus ihrer aktuellen Saison verabschiedet. In der Musikreihe in der Bücknitzer Feldsteinkirche waren in diesem Jahr von Juni bis September sechs Konzerte zu hören. Von Bluesmelodien über traditionelle afrikanische Klänge bis zur Orgelmusik reichte das breite Spektrum in den vergangenen Wochen.
Am Samstag ging die Reise um die musikalische Welt in Italien zu Ende. Die Gruppe Rachelina und die Maccheronies entführte die etwa 40 Zuhörer in die Straßen von Neapel, und der viel beklatschte Auftritt hätte noch mehr Publikum verdient gehabt. Sängerin Rachelina war mit ihrenMusikern Domenico Graziano (Violine), Thomas Langlotz (Gitarre) und Manfred Wittlich (Mandoline) nicht zum ersten Mal in Bücknitz zu Gast. "In den Anfangsjahren des Bücknitzer Musiksommers konnten wir Rachelina zweimal bei uns begrüßen, und deshalb freut es uns besonders, dass es nach 15 Jahren mit einem erneuten Auftritt geklappt hat", sagte Thomas Böhm-Christl. Unter seiner Leitung organisiert der Kulturförderverein Bücknitz die Konzertreihe schon seit fast zwei Jahrzehnten.
Das Publikum wurde mitgenommen auf eine musikalische Zeitreise in die Stadt unter dem Vesuv und hörte Lieder aus verschiedenen Epochen, die immer wieder einzelne Schlaglichter auf die Geschichte der bunten italienischen Metropole warfen. Ein bisschen Wahrheit und ein bisschen Klischee vermischten sich in vielen Liedern, wenn zum Beispiel von bedrohlichen Camorra-Mitgliedern oder von den herzzerreißenden Geschichten armer Bordsteinschwalben gesungen wurde. In verschiedene Rollen schlüpfte Rachelina, um mal mit großen Gesten, mal mit kleinsten Andeutungen die Geschichten ihrer Lieder zu untermalen. Immer mitreißend ist dabei ihre Stimme, die melancholisch gefärbt oder umschmeichelnd kokett den Raum füllt. In Palermo auf Sizilien geboren, hat Rachelina ihre Kindheit in Neapel verbracht, bevor es immer weiter nordwärts ging. Zuerst innerhalb Italiens, und jetzt ist sie in Berlin zu Hause.
Die Musik der süditalienischen Heimat ist aber immer ganz nah und mit Auftritten in ganz Europa kann auch das Publikum immer wieder eintauchen in die Stadt, die mit ihrer Musik über die Jahrhunderte viele Komponisten und Künstler beeinflusst hat. Selbst ein kurzer Ausflug in die stilisierten Figuren der Commedia dell' arte war im Samstag in Bücknitz zu sehen. In der Maske des Pulcinella umwarb Rachelina vergeblich eine Geliebte. Vom Theater des 17. Jahrhunderts über die Lieder der Singspiele von Raffaele Viviani bis zu aktuellen songs unserer Tage spannte sich der Bogen. Das Konzert machte Lust auf mehr.

Märkische Allgemeine Zeitung, 16. Juni 2016

Vereinsleben auf dem Land
Sommerkonzerte mit Stachelbeertorte

Vereinsleben auf dem Land: Ohne Vereine wäre das Leben in ländlichen Regionen weniger bunt. Das zeigt auch das Engagement von Sonja Niegsch und Birgit Eichholz für ihren Kulturförderverein Bücknitz. Saubermachen für das nächste Bücknitzer Sommerkonzert ist für beide keine Frage. Sie erledigen den Job einfach.
Der Stachelbeerkuchen von Birgit Eichholz ist der Hit des Kulturfördervereins Bücknitz. Und hitverdächtig sind selbstverständlich auch die Sommerkonzerte in der Bücknitzer Kirche. Sechs im Jahr stemmt und organisiert der 1998 gegründete Kulturverein. An besonders guten Tagen lauschen 100 Besucher auf den Stuhlrängen der kleinen Kirche der Musik.
Die 63-jährige Birgit Eichholz ist seit 16 Jahren Vereinsmitglied und backt zu jedem der Bücknitzer Sommerkonzerte zwei bis drei Kuchen. So bekannt wie die Konzerte, das weiß die gebürtige Zitzerin längst, so bekannt ist auch ihr Stachelbeerkuchen. Meist ist er schon vor der Pause ausverkauft. „Die Leute sollen sich anstrengen und ruhig frühzeitig vor dem Konzertbeginn kommen, und sei es nur, um noch ein Stück Stachelbeerkuchen zu ergattern“, sagt Birgit Eichholz und lacht ansteckend. Sie ist die Oberbäckerin, ihre Freundin Sonja Niegsch die Kassenfrau des Bücknitzer Kulturfördervereins.
Der ist einer von rund 210 Vereinen rund um Ziesar, Wusterwitz, Kloster Lehnin und im Amt Beetzsee. Es gibt Jagdgenossenschaften, Feuerwehr- und Angelvereine, Gymnastik- und Selbsthilfegruppen, Landfrauen-Treffen und Chöre, Handballer und Heimatfreunde. Ein bunter Strauß an Leben.
„Unser Verein soll die Menschen ein wenig rauslocken aus dem Haus, dass sie auf andere Gedanken kommen“, sagt Birgit Eichholz. „Er soll Kultur auf dem Land fördern und die Bücknitzer Kirche erhalten“, so sieht es Sonja Niegsch. Die Einnahmen aus den vom Land geförderten Konzerten fließen in die Vereinskasse. Und von dort in die Verschönerung der Kirche.
Vereinsarbeit bedeutet nicht nur das Organisieren der beliebten Sommerkonzerte zwischen Juni und September. Dabei hilft der Musiker und Vereinsmitbegründer Thomas Böhm-Christl, der mit seinen Kontakten nach Berlin viele Künstler für die Sommerkonzerte gewinnt. Vereinsarbeit bedeutet auch putzen. An diesem Donnerstag fegen Birgit Eichholz und Sonja Niegsch den Altarraum der aus dem 13. Jahrhundert stammende Feldsteinkirche aus für das Konzert am Samstag, bei das Ballet Zebola traditionelle afrikanische Musik und Tänze aufführen wird.
Rund 50 Stunden im Jahr geben die beiden Bücknitzerinnen für den Verein an ehrenamtlicher Arbeit. „Der Förderverein ist mein persönlicher Aufbau Ost“, sagt die gebürtige Innsbruckerin Sonja Niegsch. Die 71-Jährige betreibt das Bücknitzer Eiscafé und ist nach ihrem Zuzug in das nahe Ziesar gelegene Dorf schnell in den Verein eingetreten. Vor zwölf Jahren war das.
Rund 15 Mitglieder zählt der Verein; das Durchschnittsalter liegt bei 65 Jahren. „Ich mache immer Reklame, dass auch Jüngere bei uns mitmachen“, berichtet Niegsch. „Doch Junge sitzen immer am PC oder chatten mit ihren Smartphones“, meint Birgit Eichholz. „Dazu kommen hier auf dem Land die langen Fahrwege zur Arbeit – die Jungen haben einfach keine Zeit.“ Mitglied in einem Verein zu sein, das sei schon eher was für ältere Menschen, das sagen beide unisono. Der Bücknitzer Feuerwehrverein freilich, „der arbeitet ja mit Jugendlichen“, da sei das ein wenig anders.
Der Kulturförderverein Bücknitz bedeutet beiden Frauen viel. „Es ist der Kontakt zu anderen, man trifft Bekannte, mit denen man schwatzen kann und Freude hat“, sagt Sonja Niegsch. Die Absolventin einer Höheren Handelsschule überlegt kurz: „Ohne den Verein würde man doch das Leben einer Primel führen, vergessen und an die Seite geschoben.“ So sei auch immer etwas zu tun: Einmal galt es für den Kulturförderverein Bücknitz zu protestieren. Als das Backsteingebäude neben der Kirche verkauft werden sollte, „gingen wir vom Verein auf die Barrikaden. Schließlich treffen sich hier im Heimatzimmer Senioren und in den Räumen nebenan die Jugend.“ Der Verkauf blieb aus. Der Protest hat sich gelohnt.
Ein Symbol für den Vereinszweck ist auch der in der Kirchentür steckende Schlüssel: Die Kirche für Konzerte zu öffnen und das aus dem 13. Jahrhundert stammende Bauwerk möglichst vielen Menschen zu zeigen, ist den 15 Mitgliedern des Kulturfördervereins Bücknitz wichtig.

Marion von Imhoff

Märkische Allgemeine Zeitung, 5. Juni 2016

Sommerkonzerte: Künstler würdigen Fontane

Die diesjährige Saison der Bücknitzer Sommerkonzerte in der Kirche zu Bücknitz wurde am vergangenen Sonnabend mit einem Konzert um Theodor Fontane eröffnet. Anna Pehrs, Karin Leo und Walter Thomas Heyn stellten mit Liedern, Texten und Gedichten den bekannten Dichter Theodor Fontane vor. „Es ist, wie es ist“ galt das Motto des einstündigen Programms.
„Fontane hasste das Klavier als Musikinstrument. Für ihn war es ein Möbelstück, mehr nicht.“ Mit dieser Aussage wurden die Gäste über den großen deutschen Dichter konfrontiert. Deshalb wählte das Trio für ihr Konzert Gitarren und eine Mandoline als musikalische Begleitung aus. „ Er war ein kurioser Kauz, sanft und gutmütig und er besaß eine gehörigen Portion Eitelkeit“, so stellte Anna Pehrs den 1819 in Neuruppin geborenen Fontane vor. Das waren nicht ihre Worte, sondern Worte, die Fontane selbst über sich schrieb. Das Trio las Textpassage aus verschiedenen Werken des Dichters vor. Dazu gehörten Geschichten wie der Besuch der Schule, die Ausbildung des jungen Theodor zum Apotheker oder die Begegnung mit seiner späteren Ehefrau Emilie Rouanet-Kummer, die er nach zehnjähriger Verlobungszeit 1850 heiratete.
Der Komponist Walter Thomas Heyn ist seit vielen Jahren bekennender Fontanianer und schrieb für die Sängerin Pehrs sieben Lieder nach Texten des großen Dichters. Den Zuhörern gefielen die klaren Worte Fontanes, wie er sein Leben sah und honorierten die Vorträge, den Gesang und die musikalische Begleitung mit viel Applaus. Das Publikum hörte Episoden seines Lebens und Begegnungen mit anderen Dichtern wie Theodor Storm, die Fontane in seinem Schaffen beeinflussten. Von 1849 an war Fontane Schriftsteller.
Die Konzertreihe der Bücknitzer Sommerkonzerte bietet in diesem Jahr noch einige interessante Vorträge. „Es ist international und für jeden etwas dabei“, so Vorsitzender Thomas Böhm-Christl. Am 18. Juni führt das Ballet Zebola afrikanische Musik und Tänze auf.

Silvia Zimmermann

Märkische Allgemeine Zeitung, 9. August 2015

Ein Mord und eine Hochzeit zur Orgel

Zeugen eines Mordes wurden die Besucher des Orgelkonzertes von Peter Michael Seifried am Samstagnachmittag in der Dorfkirche Bücknitz. Die Tat ist zwar immerhin schon ein paar tausend Jahre her, doch beschäftigt die Begebenheit aus der Bibel Musiker seit Generationen.

 Die Besucher des Orgelkonzertes von Peter Michael Seifried wurden am Samstagnachmittag in der Dorfkirche Bücknitz Zeugen eines Mordes. Na ja, direkt gemeuchelt wurde niemand, die Tat ist immerhin schon ein paar tausend Jahre her. Doch der Komponist Johann Kuhnau (1660-1721) hat biblische Geschichten vertont.
Kuhnau – er war übrigens als Thomaskantor in Leipzig unmittelbarer Vorgänger von Johann Sebastian Bach – galt als vielseitig gebildeter Mann, der auch als Schriftsteller in Erscheinung getreten ist. In seiner Komposition „Biblische Sonate Nr. 1 – Der Streit zwischen David und Goliath“ hat sich Kuhnau in die Gemütsverfassung der handelnden Personen hineinversetzt und sie hörbar gemacht. Die Orgel erzählt von der Angst der Israeliten vor den Philistern. Mit tiefen und tiefsten Tönen beschreibt Kuhnau den bedrohlichen Goliath. Quecksilbrig-fiebrig erleben die Zuhörer David, der mit kindlicher Naivität an die Hilfe Gottes glaubt in diesem ungleichen Kampf. Und tatsächlich gelingt es ihm, Goliath mit einem Stein aus seiner Steinschleuder tödlich zu treffen – Peter Michael Seifried nennt das Mord. Die Philister fliehen und die Israeliten feiern David mit einem fröhlichen Fest.
Es sei eine schlüpfrige Geschichte, in der Unglaubliches geschieht, beschreibt Seifried die Vertonung von „Jacobs Heirat“ (Biblische Sonate Nr. 3). Jakob, der sieben Jahre für den Vater seiner Braut Rachel arbeiten musste, bevor er sie heiraten durfte, wird von Laban schändlich betrogen. Statt der süßen Rachel findet er morgens nach der Hochzeitsnacht im Ehebett Rachels hässliche Schwester Lea vor, die ihm Rachels Vater heimlich unter geschoben hat. Es ist wirklich faszinierend, wie Kuhnau es schafft, Gefühle wie Verliebtheit, die Schwere der Arbeit, Zärtlichkeit und schließlich den Zorn des Betrogenen in Musik zu übersetzen.
Detektivarbeit hat bei dem wunderschönen „Ave Maria“ nichts genutzt, erklärt Seifried. Ursprünglich hat man die Komposition Giulio Caccini (1546-1618) zugeschrieben, doch Quellen, die dies eindeutig belegen, gibt es nicht. In den 1970er Jahren galt dann der Russe Vladimir Fyodorovich Vavilev als Komponist dieses anrührenden Werkes – aber auch diese Annahme lässt sich nicht beweisen. Inzwischen hat sich die Zuschreibung zu Caccini als Urheber des Werkes durchgesetzt.
Den zweiten Teil des Konzerts hat der englische Organist Sam Baker mit Bravour gemeistert. Mit Werken von englischen Komponisten wie Henry Purcell, Edward Elgar und John Stanley, aber auch von Johann Sebastian Bach, hat er die kleine Orgel aus der Werkstatt von Herbert Kruse virtuos zum klingen gebracht. Sie stammt ursprünglich aus der katholischen HeiligKreuz-Kirche in Pattensen/Niedersachsen und wurde nach deren Profanierung im Jahr 2012 nach Bücknitz abgegeben.
Ann Brünink
 


Märkische Allgemeine, Brandenburger Kurier, 21. Juli 2013

Quatsche, Quietsche, Quetsche

Zwei Handwerker und eine Ingenieurin singen und schreiben Volkslieder. Als Hanka Giganka sind sie in der Bücknitzer Kirche aufgetreten

Bücknitz. Quer durch Europa ging die musikalische Reise mit Quatsche, Quietsche und Quetsche. Für Quatsche ist im Duo Hanka Ciganka Beate Tarrach (Gesang) zuständig und für die Quietsche Reinhard Simmgen (Geige). Beide haben bereits voriges Jahr das Publikum in der Bücknitzer Kirche mit Balkan-Folklore begeistert. Zum Konzert Samstagnachmittag brachten sie einen Freund mit. Udo Moritz an der Quetsche (Akkordeon).
"The Lord of Dance" sei eines ihrer Lieblingslieder, verriet Beate Tarrach. Egal was passiert, der Tanz gehe weiter, erklärt sie den Inhalt. Der Meister des Tanzes sei Jesus. Das Lied hat Sidney Carter 1963 geschrieben und es ist in englischsprachigen Gemeinden weit verbreitet. Wer es hört, kann das gut verstehen. Die Melodie ist so flott, dass man am liebsten aufspringen und mittanzen möchte.
"Molly Malone" – ein anderes irisches Volkslied – ist die heimliche Hymne der Stadt Dublin. Das Lied, um 1883 von James Yourkston geschrieben, handelt von einem Fischermädchen, das durch die Dubliner Straßen lief und mit dem Ruf "lebende Muscheln, lebende Muscheln" ihre Ware anpries. In jungen Jahren starb sie an Cholera. Das Lied ist trotzdem fröhlich und beschwingt.
"Was wollen wir trinken, sieben Tage lang", intonieren die Musiker. Was passiert, wenn ein Bettelmann Hochzeit hält? "Widele, wedele, hinterm Städele", singen sie und man wäre gerne dabei. "Haltet die Männer fest, so fest es geht", rät Beate Tarrach, denn ihr Reinhard ist ihr doch glatt abgehauen, als sie mit ihm tanzen wollte. Durch die ganze Kirche ging die wilde Jagd. Aber sie hat ihn am Ende bekommen.
"Wo wird heute Nacht mein Feuer sein", lautete der Titel des Programms am Samstag. Diese Frage stellten sich die beiden Männer häufig auf ihren Reisen durch Russland, die Türkei, Griechenland, Mazedonien, Rumänien und Ungarn. Der ehemalige Gürtlergeselle Simmgen und der Dachdeckergeselle Moritz haben sich vor Jahren auf der Walz kennen gelernt. "Es hat nur wenige Minuten gedauert, da haben wir schon zusammen musiziert", erinnert sich Moritz. Von überall her haben sie Musik und Lieder mitgebracht.
Beate Tarrach, einst Ingenieurin, und Simmgen sind seit sieben Jahren ein Paar. Sie haben die Musik zum Beruf gemacht, schreiben Kinderlieder, treten als Duo "Leichtfuß und Liederliesel" in Kitas und Schulen auf, und leben nahe Bautzen. Da Moritz in Thüringen als Ausbilder an der Dachdeckerschule arbeitet, sind gemeinsame Auftritte äußerst selten.
Ann Brünink

Märkische Allgemeine Zeitung, 19. Juli 2015

Blues im Bücknitzer Gotteshaus

Mit drei Gitarren und einer Mundharmonika holte Wolfgang Kalb Südstaatenflair ins Märkische. Der Musiker gastierte am Samstag bei den Sommerkonzerten in der Bücknitzer Dorfkirche. Neben Klassikern hielt der begeisterte Blueser noch einige Überraschungen bereit.

„Step it up and go“, singt Wolfgang Kalb, die Mundharmonika vor dem Gesicht, die Stahlsaiten der Akustikgitarre in den Händen, bricht der Blues aus ihm heraus und ein in den Bücknitzer Sonnabendnachmittag. Als wäre eine ganze Bluesband anwesend, schwappt eine volle Ladung Musik in die gut gefüllte Dorfkirche und sofort hat der sympathische Franke das Publikum auf seiner Seite. „Was hätten die Stones gemacht oder Led Zeppelin ohne die alten Bluesmusiker“, sagt Wolfgang Kalb und was hätten die Bücknitzer Konzertgäste an diesem Tag ohne ihn gemacht? Shuffle, Ragtime, Boogie Woogie, Country Blues der 1920er und 1930er Jahre, aus jedem einzelnen Ton des treibenden Rhythmus hüpft die Lebensfreude. Der Musiker aus der Nähe von Bamberg hat ein Stück Bluesgeschichte mitgebracht.
Er war sieben Jahre alt, als ihn das Bluesfieber erwischte. Heute ist er in der Welt des Fingerpicking und der Bottleneckspielweise auf seinen Resonatorgitarren zu Hause. Songs von Muddy Waters, John Lee Hooker, Blind Blake, Robert Johnson oder Mississippi John Hurt spielt er auf seine ganz eigene Weise und erklärt in seinem fränkischen Dialekt, was Fingerpicking bedeutet. Er spricht vom Wechselbass des Daumen und der Melodieführung des Zeigefingers, wie man ein Bottleneck herstellt, warum Stahlgitarren entstanden sind und wer sie erfunden hat.
Der laut scheppernde und quietschende Sound war genau das Richtige für die damaligen Straßenmusiker, die noch keine E-Gitarren und Verstärker kannten, erklärt er und dann hört man den fetten Südstaatenblues und fühlt sich in ein Amerika der 1920er Jahre versetzt. Auch vor Elvis oder Bill Haley gab es bereits Elemente des Rock’n Roll, sagt er und schrubbt, hüpft, wippt und schaukelt über die Stahlsaiten seines Instruments, als würden seine Finger nicht bremsen können. Und immer wippt der Fuß dazu. Seiner, aber auch viele seines Publikums.
Aus Brandenburg, Berlin Wusterwitz und Ziesar kommen die Gäste zu den Bücknitzer Sommerkonzerten weiß Karl Heinz Guhl, Mitglied des Kulturfördervereins zu berichten. Seit 15 Jahren bietet der Verein kleine feine Konzerte in der Feldsteinkirche an und bewirtet die Angereisten mit köstlichem Selbstgebackenem. Sechs Veranstaltungen finden seither jährlich statt.
„Die Bücknitzer Sommerkonzerte sind unter Musikern bekannt“, sagt Wolfgang Kalb und dass er sich bei Thomas Böhm-Christl, dem künstlerischen Kopf des Vereins dafür beworben habe, hier zu spielen. Ein Glück für die begeisterten Gäste, die ihn natürlich nicht ohne ein paar Zugaben von der Bühne ließen. Noch einmal erzählt er eine Geschichte zu dem darauf folgenden Titel. Er spricht von dem Typen, der in der Kneipe drei Tage lang durchtrinkt, weil er den Tod seiner Frau nicht verkraftet, und man hat das Gefühl, der Musiker sei dabei gewesen. Das ist Gänsehaut pur und wenn ein letztes kleines „Bling“ seiner Gitarre entflieht, bleibt nur die Hoffnung, dass der „Südstaaten-Bluesman“ aus Franken wiederkommt.
Bücknitz ist wirklich ein echter Geheimtipp für ein grandioses Konzerterlebnis. Sie dürfen ihn ruhig weitersagen.
Von Ina Schidlowski


Märkische Allgemeine, Brandenburger Kurier, 03.09.2012

Die Musik, die Joachim Gies und Chris Dehler als Duo „Relax 2 Relax“ am Samstag in der Bücknitzer Kirche machten, ließ die Zuhörer nicht entspannt mit dem Fuß wippen oder mit dem Kopf nicken. Vielmehr mussten sie sich öffnen und sich auf neue Klangerlebnisse einlassen. Nach dem Applaus zu urteilen, taten sie es gern.Zusammen stellten die beiden Musiker nur Eigenkompositionen von Gies vor, bei denen der Komponist seinem Saxophon Töne entlockte, die sonst nicht in Konzerten zu hören sind. Melodien, die im nächsten Moment auf ihre einzelnen Töne reduziert wurden oder den hörbaren Klang gar soweit zurückfahrend, dass nur ein leiser Lufthauch und das Klackern der Klappen zu hören war.

Dehler war gleich mit einer ganzen Sammlung von ungewöhnlichen Instrumenten angereist, die ganz neue Klangwelten erschlossen und vor allem außereuropäische Töne ins Konzert brachten. Mit dem Monochord, bei dem die Saiten alle auf den gleichen Ton gestimmt sind, erzeugte Dehler einen Klangteppich, auf den sich die Töne des Saxophons legen konnten. Den manchmal geradezu experimentellen Charakter der Musik arbeiteten die beiden Musiker, die seit acht Jahren immer wieder zusammen auftreten, einfach im Ausprobieren verschiedener Klangfarben heraus. Dehler präsentierte eine ganze Reihe an Instrumenten, die dem europäischen Hörer nicht unbedingt geläufig sind: Von Klangschalen über eine vietnamesische Maultrommel bis zum Sansula, einem afrikanischen Daumenpiano. Nebenher gab er eine kleine Instrumentenkunde. Vor allem hinter dem Didgeridoo steht eine interessante Geschichte. Das traditionelle Blasinstrument der australischen Aborigines wird nicht selbst gebaut, sondern von Eukalyptusbäumen geerntet. Die Termiten übernehmen die Arbeit des Aushöhlens. Und wer ein neues Instrument braucht, klopft an die Stämme und Äste und hofft auf einen hohlen Klang. Ganz so weit um den Globus mussten die Musiker nicht, um eine Kindheitserinnerung an die Kirmes zu vertonen. Dafür reichte ein heimisches Kinderspielzeug, denn auch ein Brummkreisel eignet sich perfekt als Duettpartner für das Saxophon.
Von Christine Lummert

Märkische Allgemeine, Brandenburger Kurier, 25.07.2012

Kuchen vor dem Konzert
Das Backen reiht sich ein in die Aktivitäten des Bücknitzer Kulturfördervereins
Die Dorfkirche in Bücknitz hat sich im Laufe der Jahre immer weiter herausgeputzt. Der Turm strahlt in frischem Glanz und hat eine neue Haube auf der Spitze. Auch das Dach wurde neu ge-deckt. Seit acht Wochen steht wieder eine Orgel am angestammten Platz auf der Empore, der seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges leer war. Die Arbeiten sind aber noch längst nicht fertig. Demnächst soll der Innenraum der Kirche restauriert werden.

Einen großen Anteil am stetigen Fortgang der einzelnen Bauabschnitte hat der Kulturförderverein Bücknitz, der immer wieder eine ergiebige Quelle der Unterstützung ist. Angefangen hat alles im Jahr 1998 mit der Idee, der Kirche auch außerhalb der Gottesdienste Leben einzuhauchen. Thomas Böhm-Christl, der Vorsitzende des Kulturfördervereins, fasste mit anderen den Entschluss, in den Sommer-monaten eine Konzertreihe in dem alten Gemäuer zu etablieren. Die erste Saison kam gut beim Publikum an und 1999 wurde der Verein gegründet. Die Kultur hatte einen Platz in Bücknitz gefunden, nur das Ambiente der Kirche passte damals nicht so recht zu den schönen Künsten. Deshalb floss das Geld, das durch die Konzerte eingespielt wurde, bald an die Kirchengemeinde, um die Sanierung voranzutreiben. Der Einsatz der zurzeit zwölf Mitglieder im Förderverein ist bei jeder Veran-staltung groß. „Thomas Böhm-Christl kümmert sich darum, die Künstler zu uns nach Bücknitz zu holen und die übrigen vier Männer im Verein kümmern sich um die Vorbereitungen in der Kirche und sitzen an der Eintrittskasse“, erklärt Elfriede Kucharek.

Die Damen des Vereins haben derweil auch alle Hände voll zu tun. „Es ist inzwischen zu einer schönen Tradition geworden, dass wir für jedes Konzert Kuchen backen und damit die Gäste bewirten“, sagt Kucharek, die selbst den größten Favoriten unter den Köstlichkeiten liefert. Ihre Baisertorte mit einer Füllung aus Sahne und Stachelbeeren geht immer als erstes weg. Wer in den Genuss kommen will, sollte aber schon eine Stunde vor Konzertbeginn anreisen. Die anderen Damen produzieren aber auch Leckereien, die rundum gelobt werden. Klassiker wie Streuselkuchen, Apfelkuchen mit Rosinen und Buttermilchkuchen finden immer einen dankbaren Abnehmer. „Vier Frauen müssen mindestens beim Verkauf mitmachen, sonst ist das bei den zahlreichen Gästen nicht zu schaffen“, sagt Kucharek. Und auch auf die Künstler kommt es an, denn die werden umsonst mitversorgt. Wenn ein Duett auf der Bühne steht, brauchen die Damen keine Extra-Schichten einzule-gen. „Normalerweise reichen uns acht Kuchen, um alle zu versorgen, doch kürzlich hatten wir den Wolliner Kirchenchor zu Gast und da mussten wir zwölf Kuchen auf den Tisch stellen, sonst hätte es nicht für alle gereicht“, erzählen die fleißigen Bäckerinnen.
Von Christine Lummert

Märkische Allgemeine, Brandenburger Kurier, 23.07.2012

Ausflug auf den Balkan Musikduo
„Hanka Ciganka“ präsentiert Folklore im 7/8-Takt in Bücknitz

Beim Sommerkonzert ließen sich die Zuhörer zum Mitsingen und Mitklatschen verleiten.

Auf dem Veranstaltungskalender der Bücknitzer Sommerkonzerte stand am Samstag ein Ausflug auf den Balkan. Mit Folklore-Liedern aus dem breiten Spektrum der Länder im Südosten Europas kam das Duo „Hanka Ciganka“ in die Bücknitzer Dorfkirche. Beate Tarrach und Reinhard Simmgen sind sonst eigentlich als „Leichtfuß und Liederliesel“ vor allem in Kitas und bei Kinderfesten unterwegs. Dort präsentieren sie ihre selbst gemachten Kinderlieder.

„Unseren ersten Auftritt mit den Folklore-Liedern vor richtig großem Publikum in einer Kirche haben wir hier in Bücknitz“, erklärte Tarrach. Die Leidenschaft für diese Art der Musik trägt das Duo schon lange in sich. „Wir sind durchaus auch mal mit anderen Musikern auf dem Pferdewagen auf großer Fahrt und präsentieren unsere Lieder, sobald sich ein Publikum gefunden hat“, sagte die Liedermacherin, die zu-sammen mit ihrem Partner in der Oberlausitz lebt, nicht weit von der tschechischen Grenze.

Beim Konzert in Bücknitz wechselten sich Lieder und Geschichten ab. Besonders die Kultur der Roma hat es den beiden angetan und so zogen sich Geschichten eines alten Zigeuners durch das Programm, in denen er auf Erlebnisse aus seiner Kindheit und Jugend zurückblickt. Erinnerungen an die Zeit, in denen die Roma noch mit ihren Pferdewagen unterwegs waren und das Reisen noch beschaulich und langsam war. In den Nächten saßen dann alle am wärmenden Feuer zusammen und sangen ihre Lie-der. Diese Stimmung versuchte auch das Duo einzufangen. Mal melancholisch und langsam, nur von der Gitarre begleitet besangen sie vor allem die Liebe, die manchmal tragisch und unerfüllt endete. Dann wurden die Melodien wilder und rhythmischer. „Der 7/8-Takt bringt die Folklore aus dem Balkangebiet ganz anders zum Klingen, als wir das von unseren Liedern aus Deutschland gewohnt sind“, so Tarrach. Und wirklich entstehen vor dem inneren Auge andere Bilder. Obwohl die Lieder in Griechisch, Russisch, Bulgarisch, Ungarisch, Rumänisch und in der Sprache der Roma gesungen werden, kann der Funke überspringen und die über 60 Zuhörer ließen sich auch gern zum Mitklatschen verleiten, wenn feurige Roma-Mädchen besungen wurden, die so gerne zu dieser Musik tanzten. Zum Mittanzen ließ sich niemand überreden, aber die Melodien waren so einfach und eingängig, dass das Mitsingen, wenn auch in einer fremden Sprache, dem Publikum leicht über die Lippen ging. Mit einer kleinen Texthilfe entstand so ein spontaner Chor, der sich erfolgreich an einem bulgarischen Tanzlied versuchte.
Von Christine Lummert

Märkische Allgemeine, Brandenburger Kurier, 25.06.2012

Bläser in Bücknitz

Viel Beifall gab es am Sonnabend in der Bücknitzer Kirche für das Bläseroktett Kreuzberg unter Leitung von Elisabeth Böhm-Christl. Zu hören war ein bunter Strauß internationaler Werke verschiedener Musikgattungen von Bach bis Mambo. Dank Oboen, Klarinetten, Hörner und Fagotte erlebten die Besucher ein Füllhorn voller Klangfarben. Als besondere Zugabe wurde erstmals die den Bücknitzern geschenkte Orgel in Betrieb genommen.

Märkische Allgemeine, Brandenburger Kurier, 20.06.2011

Wenn die Rohrdommel ruft
Ungewöhnliche Klangerlebnisse in der Bücknitzer Kirche

„Da können wir gleich einmal sehen, ob das neue Dach auch hält“, sagte Thomas Böhm-Christl mit einem Blick an die Decke der Bücknitzer Dorfkirche. Der Kulturförderverein hatte am Sams-tagnachmittag zu seinem zweiten Konzert in der Veranstaltungsreihe der diesjährigen Bücknitzer Sommerkonzerte geladen und pünktlich zu Beginn ging ein heftiges Gewitter nieder.

Das Dach hielt dicht, aber durch ein Fenster ergoss sich ein kleines Rinnsal die Wand hinunter. Die abblätternde Innenausmalung muss aber noch ein bisschen weiter leiden, bevor der Kirchenraum wieder in alter Pracht erstrahlen kann. Durch die Konzerte in der Bücknitzer Kirche, die seit 1998 stattfinden, wird nicht nur der Kultur ein Platz gegeben, an dem das Publikum auf seine Kosten kommt. Die Gäste werden bei ihrem Besuch in der Dorfkirche auch auf deren Zustand aufmerksam gemacht, und viele finden sich immer wieder bereit, die Sanierung des Gotteshauses zu unterstützen.Das kurze Schauspiel am Himmel lieferte Böhm-Christl nicht nur einen Hinweis auf die baulichen Schwächen der Kirche, sondern auch einen Übergang zur Begrüßung der Künstler.

Johanne Braun und Gaby Bultmann nennen sich Duo „Chiaroscuro“ und stellten ihr Programm „Die blauen Handschuhe einer Henne“ vor. „Chiaroscuro bedeutet hell und dunkel und bezieht sich nicht nur auf die Stimmlagen Alt und Sopran, die wir von den beiden Künstlerinnen hören werden“, leitete der Vorsitzende des Kulturfördervereins Bücknitz den Auftritt vor etwa 40 Zuhörern ein.

Die Dualität zog sich durch das ganze Programm. Improvisationen erklangen neben Bekanntem, wie dem Lied „Wenn ich ein Vöglein wär“. Eigens für das Programm geschriebene Stücke standen neben Liedern aus dem Mittelalter. Gedichtrezitationen bekannter Autoren wie Ernst Jandl und Christian Morgenstern inspirierten die Musik, und die beiden Künstlerinnen verbanden gekonnt alle Enden zu einem gelungenen Auftritt, in dem auch ihre schauspielerischen Qualitäten zum Ausdruck kamen. Das Pro-gramm orientierte sich an der Überschrift „Tiere in der Musik“ und so tirilierten Bultmann und Braun schon zu Beginn des Konzertes nicht nur mit ihren Stimmen, sondern auch auf Flöte und Oboe.

Neben den mitreißenden Stimmen, die nicht nur gesanglich glänzten, sondern auch lautmalerisch dem ungeübten Ohr ganz neue Töne boten, machten die verschiedenen Instrumente ungewöhnliche Klangerlebnisse möglich. Neben Klassikern wie Oboe und Flöte bewiesen die Künstlerinnen unter anderem auch am indischen Harmonium und am biblischen Psalter, der mit zwei Federkielen gezupft wurde, ihre vielseitige Virtuosität. Besonders ungewöhnlich war die fast zwei Meter hohe Blockflöte, deren zum Teil dumpfen Töne an das Rufen einer Rohrdommel erinnerten.
Von Christine Lummert

Märkische Allgemeine, Brandenburger Kurier, 07.06.2010

Auftakt der Sommerkonzerte in der Bücknitzer Kirche mit „Taste of Honey“

„It's just the nearness of you“ (Es ist deine Nähe, die mich in Wallung bringt), schmachtet Ina Frerichs (38) den berühmten Titel von Norah Jones ins Mikrophon. Doch das männliche Wesen, das Ziel ihrer Sehnsucht ist, kümmert sich nicht um die Jazzsängerin. Enno besucht zum ersten Mal ein Jazzkonzert und schläft die meiste Zeit. Mit seinen dreieinhalb Monaten ist der Junge noch zu klein, um auf das Werben einer Frau angemessen zu reagieren. Da geht es seiner Mama auf der Bühne anders: Sobald sich das Kerlchen in seinem Kinderwagen in der Kirche zu Wort meldet, schaltet sie beim Singen auf Autopilot und ist mit ihrer Aufmerksamkeit beim Söhnchen. „Entschuldigen Sie meine Abwesenheit. Aber was soll ich machen? Ich kann doch hier nicht weg“, wirbt sie beim Publikum in der Bücknitzer Kirche um Verständnis.

„Almost like being in love“. Der Titel von 1947 tröpfelt wie Honig in die Ohren der Zuhörer. „Taste of Honey“ (Geschmack des Honigs) heißt die dreiköpfige Band, die die diesjährigen Sommerkonzerte in Bücknitz am Samstag eröffnet hat. „Sternstunden des Jazzgesangs“ haben Ina Frerichs, Bernd Suchland (Saxophon und Querflöte) und Dan-Robin Matthies (Klavier) versprochen. Doch auch der Pianist ist abgelenkt. Mit äußerster Anspannung lauscht er auf die Töne, die er seinem Wurlitzer Electric Piano entlockt. Das Instrument stamme aus den 60er Jahren und sei mit empfindlicher Elektronik ausgerüstet, erklärt er. Wahrscheinlich sei ihm die Anreise im heißen Auto nicht bekommen. Jetzt würde das Instrument ab und an fiepende Töne von sich geben, warnt er das Publikum. Doch der Jazzprofi liefert den Zuhörern nur einwandfreie Klänge. Wie sollte es auch anders sein. Schließlich hat er mit vierein-halb Jahren angefangen Klavier zu spielen. Mit zwölf habe ihm seine Mutter Noten von Gershwin geschenkt.

Unberührt von der Aufregung spielt Bandleader Bernd Suchland (45) routiniert und mit warmem, vollen Klang sein Saxophon. Nach dem Namen „Taste of Honey“ habe er lange gesucht, erzählt er. Er passe am besten zu der Zielsetzung der kleinen Formation: Ruhige, dezente Musik zu spielen, die sich gut in den Hintergrund eines Brunch oder eines Betriebsfestes einfügt, keine Tanzmusik. Seine Mitspieler habe er vor Jahren auf einer Jam-Session kennen gelernt. Seitdem spielen sie zusammen. Er habe mit 16 Jahren angefangen Musik zu machen und habe Jazz Popular in Berlin studiert.

Sie habe erst mit Mitte 20 angefangen, Musik zu machen, erzählt Ina Frerichs in der Pause, während Sohn Enno selig sein Fläschchen trinkt. Sie habe zunächst eine Gärtnerlehre absolviert. Doch dann sei ihr klar geworden, dass sie das nicht bis zum Ende ihres Lebens machen wollte. Also habe sie das Abi-tur gemacht und studiert.
Ann Brünink

Märkische Allgemeine, Brandenburger Kurier, 21.06.2010

Musik streichelt die Seele

Diese Töne waren wie Streicheleinheiten für die Seele. Bei den Bücknitzer Sommerkonzerten spielten am Samstag Judith Brandenburg (Bandoneon) und Carlos Mieres (Gitarre). Die aus Berlin stammenden Künstler verzauberten die vielen Besucher in der Bücknitzer Kirche mit südamerikanischen und afro-amerikanischen Rhythmen wie Tango und Candombe, Bossa nova und Chacarera. Am 3. Juli ist das nächste Sommerkonzert. Veranstalter Thomas Böhm-Christl kündigt an: Sollte Deutschland bei der WM im Viertelfinale antreten, werde das Konzert um zwei Stunden auf 14 Uhr vorverlegt.

Märkische Allgemeine, Brandenburger Kurier, 19.07.2010

Musikalische Reise auf Hebräisch
Esther Lorenz singt in Bücknitz

BÜCKNITZ In der voll besetzten Bücknitzer Kirche lauschten am Sonnabend die Zuhörer der Sängerin Esther Lorenz, die hebräische Lieder vortrug. Ein seltenes Konzertereignis. Begleitet wurde sie von Thomas Schmidt auf der Gitarre. Der gefühlvolle Gesang von Esther Lorenz hallte durch den Kirchenraum und erzählte von jüdischen Bräuchen und Feiertagen.

Ihren tieferen Sinn erläuterte Ester Lorenz zwischen den Liedern. Vertonte Psalmen und Bibeltexte von verschiedenen Künstlern waren ebenso zu hören. „Es gibt nur eine Bibel und das Judentum ist die Wurzel des Christentums“, so Lorenz. Vom Bücknitzer Gotteshaus zeigte sie sich aus einem besonderen Grund beeindruckt „Die Kirche hat eine sehr schöne Akustik“, lobte die Sängerin.

Der Kulturförderverein Bücknitz organisiert seit über zehn Jahren Sommerkonzerte. Viele Künstler waren hier schon zu Gast und begeisterten das Publikum mit ihrer Musik. „Wir sind offen für viele Musikrichtungen“, so Ruth Guhl, stellvertretende Vereinsvorsitzende. So waren in den vergangenen Jahren Künstler aus Italien, Spanien, Irland zu Gast und füllten den Kirchenraum mit unterschiedlichsten Klängen.

Viele der Gäste, die auch aus Brandenburg und Berlin anreisen, sind bereits zu Stammgästen geworden und kommen oft zu den Sommerkonzerten in den kleinen Ort Bücknitz. „Die Besucher lieben nicht nur das musikalische Angebot, sondern auch den guten Service, den die Mitglieder des Kulturfördervereins bieten“, so Ruth Guhl. So wird vor jedem Konzert die Kirche gesäubert und anschließend mit Blumen dekoriert. In der Pause freuen sich die Gäste immer auf das abwechslungsreiche Kuchenbüfett. Ein Ziel des Vereins ist es, weiterhin Geld für die Sanierung der Kirche zu sammeln und für die Menschen im Umland ein besonderes Kulturangebot anzubieten.

Märkische Allgemeine Zeitung, Montag 20. Juli 2009

Ein ringelnatziges Rotkäppchen
Herzerfrischendes in Bücknitzer Kirche

Wer bisher geglaubt hatte, das Grimm'sche Märchen von Rotkäppchen und dem Wolf gut zu kennen, der konnte sich am Sonnabend in der Dorfkirche zu Bücknitz eines Besseren belehren lassen. Dort hat die Berliner Schauspielerin Susan Muhlack die Geschichte vorgetragen, wie sie einst Joachim Ringelnatz seinen Kindern erzählt hat. Musikalisch unterstützt wurde sie von der Klarinettistin Astrid Graf. Die über 100 Zuhörer staunten nicht schlecht, als sie hörten, was Rotkäppchen der kranken Großmutter zur Stärkung bringen sollte. Nach dem Motto „Viel hilft viel“ legte ihr die Mutter Hochprozentiges in den Korb wie schottischen Whisky, schwedischen Punsch, Rostocker Korn, eine Buddel Köm und noch einiges mehr. Und mit der Mär, dass alte Frauen schwach und hinfällig seien, hat Ringelnatz ein für alle Mal aufgeräumt: Die kranke Großmutter fraß Wolf, Rotkäppchen und den Jäger mit Haut und Haaren einfach auf. Das soll ihr erstmal einer nachmachen mit ihren vielen Zahnlücken!

Unnachahmlich und herzerfrischend war das Ringelnatz-Programm, das die beiden Künstlerinnen zusammengestellt haben. Das Publikum lernte den Dichter mit Versen kennen wie beispielsweise vom Bumerang: „War einmal ein Bumerang, war ein Weniges zu lang. Bumerang flog ein Stück, aber kam nicht mehr zurück. Publikum noch stundenlang wartete auf Bumerang.“ Noch in seinen schrägsten Nonsensgedichten hat Ringelnatz die Menschen und ihre Schwächen treffend porträtiert. So lässt er eine Lampe und einen Spiegel heftig streiten. Der Spiegel kriegt vor lauter Wut einen Sprung und die Lampe kann vor Empörung nicht mehr richtig brennen und raucht und rußt. Und das Fazit? „Das Stubenmädchen ließ beide in Ruhe und doch – man schob ihr die Schuld in die Schuhe.“

Sein Gedicht „Der Klimmzug“ haben die beiden Künstlerinnen als Sketch präsentiert. Astrid Graf bewies als Turnerin eindrucksvoll ihr schauspielerisches Talent. Was treibt einen Menschen dazu an, seinen Körper mit den eigenen Bizeps in die Höhe zu wuchten, mag sich der Dichter gefragt haben. Und er hat einen Vorschlag parat: „Stelle dir vor, dort oben winken Schnäpse und Schinken.“ Und wenn das nicht hilft? „Du musst in Gedanken wähnen, du hörtest unter dir einen Schlund gähnen. In dem Schlund sind Igel und Wölfe versammelt, die freuen sich auf den Menschen, der oben bammelt.“

So viel Hintersinn des 1883 in Wurzen/Sachsen geborenen Dichters blieb auch den Nazis nicht verborgen. Bereits 1933 bekam der „reisende Artist“, wie er sich selbst bezeichnete, Auftrittverbot. Seine Bücher – darunter sein berühmter Seeheld Kuttel Daddeldu – landeten auf den Scheiterhaufen der Bücherverbrennung. 1934 starb Ringelnatz in Berlin an den Folgen einer zu spät entdeckten Tuberkulose.
Ann Brünink

Märkische Allgemeine Zeitung, Montag, 15. Juni 2009

Reise in die Welt der Feen und Kobolde
Irische Sängerin verzaubert Bücknitz

Sie hat gesungen wie eine Fee!“ Diese Aussage von Gerlinde Tietze aus Bücknitz kann es nicht passender treffen, was Hilary O’Neill beim zweiten diesjährigen Bücknitzer Sommerkonzert am Sonnabend den 50 Besuchern geboten hat. Auf einer keltischen Harfe spielte O’Neill irische Lieder und sang dazu auf Englisch und Gälisch. Ihre Lieder, die hauptsächlich von Feen, Kobolden, Zwergen, Riesen und jahrhundertealter Legenden erzählen, übersetzte sie ins Deutsche. Dadurch gelang es den Zuhören, sich noch besser in die Musik hineinzuversetzen. Mal heiter, mal melancholisch, schlossen viele einfach die Augen, wippten mit den Füßen mit oder träumten vor sich hin. Es wurde auch gelacht. Zum Beispiel als sie die Legende von dem krummen Weißdornbaum hörten. Ein reicher kleiner Mann, der wegen seines Buckels verspottet wurde, trug dem Rat einer Elfe folgend sein Gold dorthin, wo die Kobolde tanzten. Dabei schlief er ein. Als er wieder aufwachte war sein Buckel weg, doch am Berg stand von nun an der Weißdorn gebogen und krumm.

Wer bis dahin immer noch nicht in den Bann der irischen Geschichten und Lieder gezogen wurde, war spätestens beim bekannten Lied „Amazing Grace“ verzaubert. O’Neill gelang es, eine so authentische Stimmung zu schaffen, als wäre man für zwei Stunden auf der Grünen Insel. Zum Schluss lud sie alle ein, beim Volkslied „Freut euch des Lebens“ einzustimmen. Es klang, als würde ein Chor in der Kirche singen.

2007 kamen die Gäste schon mal in den Genuss ihrer wunderschönen Stimme und der Harfenklänge. Beim Vereinsvorsitzenden Thomas Böhm-Christl gab es Anfragen, ob die Künstlerin wieder auftreten könnte. O’Neill kam gern. ,,Hier ist eine tolle Akustik, die Besucher sind aufmerksam und sehr interessiert. Mehr kann sich ein Musiker nicht wünschen“, schwärmt sie. Zum Harfespielen kam die ausgebildete Sängerin, weil es in Irland das Nationalinstrument ist..
Böhm-Christl, selbst Musiker, hatte 1998 die Idee, das bis dahin wenig genutzte Kirchengebäude in Bücknitz zu bespielen. Anfangs spielte er selber mit verschiedenen Ensembles. Zwei Jahre später gründete sich der Kulturförderverein. Die 15 Mitglieder machen alles ehrenamtlich, backen Kuchen und kochen Kaffee für die Bewirtung in den Pausen und haben es bereits zu etwa 70 Sommerkonzerten geschafft. Auch diesmal können sich die Besucher, darunter viele Stammhörer, mit einer musikalisch-szenischen Ringelnatz-Lesung sowie indischen Kathak-Klängen auf ein abwechslungsreiches Programm freuen.

Die Bücknitzer freut noch etwas: In diesem Jahr soll endlich mit der Sanierung des Kirchturms begonnen werden. Auch für den zweiten Abschnitt, das Dach des Schiffes, gibt es einen positiven Fördermittelbescheid.
Caroline Hudeczek
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